Die Geschichte des Kreuznachers Schachvereines - KSV2017

Kreuznacher Schachverein 1921 e.V.
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Die Geschichte des KSV

1921 bis 1931

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war auch für die Bürger in Bad Kreuznach gekennzeichnet durch den verlorenen Krieg und vielerlei Entbehrungen. Die Stadt blieb zwar von größeren Zerstörungen verschont, ganz anders als im Zweiten Weltkrieg, aber sie war in den Blickpunkt der Welt gerückt, als sie im Jahre 1917 zum Großen Hauptquartier erkoren wurde. Der letzte deutsche Kaiser. Wilhelm II., die Oberste Heeresleitung und viele hochgestellte Persönlichkeiten kamen nach Bad Kreuznach und ließen die Stadt plötzlich in den Mittelpunkt des Kriegsgeschehens rücken. Die bislang ruhige Stadt, die eine relativ ungestörte Entwicklung zum Badeort erleben konnte, hatte wohl immer schon zahlreiche Kurgäste von Rang und Namen in ihren Mauern, aber die Anwesenheil des Kaisers vermittelte ihr ein neues Selbstbewußtsein. Nach dem Ende des Großen Krieges folgte jedoch eine Zeit. in der sich Bürgerfleiß und Fortschrittsdenken neu bewähren mußten.

In diese Zeit der Neuorientierung fällt auch die Gründung des Kreuznacher Schachvereins (KSV). Hugo von M e t z e n. Direktor der Sparkasse, gilt als Gründer des Vereins. Er versuchte schon 1920. durch Zeitungsanzeigen Schachfreunde zu aktivieren, aber es meldete sich niemand. Er ließ sich jedoch nicht entmutigen und suchte stets weiter. Auf ein weiteres Inserat Ende 1920 meldeten sich mehrere Schachfreunde und gründeten den Verein im Parkrestaurant. Hugo von Merzen wurde zum Ersien Vorsitzenden gewählt.
Als Gründungsmitglieder nennt er noch die Herren: Ackva. Corves, Emmel, Fleuren, Keller,  Lang, Schweers. Weniger und Würzburger. Mit ihm waren das zehn Mitglieder, die mit ihrem neuen Schachverein alsbald dem Schachbund Mittelrhein beitraten. Der Verbandsvorsitzende Nonne aus Koblenz spielte zweimal in Bad Kreuznach simultan, ansonsten pflegte man freie Partien und freute sich an den Schönheiten des königlichen Spiels.

 
Hugo von Metzen
Gründer des Kreuznacher Schachvereins

Im Frühjahr 1922 schloß sich Curt Hillesheim, ein gebürtiger Kreuznacher, dem KSV an. Er kam zurück aus Köln, wo er u.a. auch den Akademischen Schachklub gegründet hatte. Er belebte das Vereinsgeschehen mit zahlreichen neuen Ideen. Der junge Hillesheim war für rund ein Jahrzehnt der Stärkste Spieler des KSV und gut dreißig Jahre lang der große Organisator.

Ab 1924 wurden regelmäßig Mannschaftswettkämpfe aussgetragen. Freundschaftspartner waren die Vereine in Bad Münster, Bingen, Meisenheim, Sobernheim, Oberstein und Rüdesheim am Rhein. In diese Zeit fällt auch der Besuch einer niederländischen Studentenmannschaft aus Groningen. die sich "Ludendo Studemus" nannte. Ihr Spitzenspieler van den Bosch unterlag überraschend der Nr. l des KSV, Hillesheim. Auch im Revanchekampf gelang es Curt Hillesheim erneut, den bereits zur Weltspitze zählenden van den Bosch zu bezwingen.

Das erste Jahrzehnt brachte dem jungen Verein weitere neue Mitglieder, die die Pflege des königlichen Spiels in der Badestadt mit viel Ernst und Hingabe betrieben. Später wurde der "Berliner Hof" Vereinslokal. Er existierte auf dem Gelände der heutigen Sparkasse am Kornmarkt. Ein weiterer Wechsel wurde schon bald vollzogen: in das Hotel "Kauzenburg" in der Kurhausstraße.

(Nach Hugo von Metzen: Vereinsgeschichte. In Bad Kreuznacher Schachfestwoche 1956. Begleitheft zum Schachkongreß.)

Annonce im Öffentlichen Anzeiger vom 15.12.1920. S. 4:
Schachverein Kreuznach (neu gegründet). Spielabende jeden Donnerstag ab 7.30 Uhr abends im Nebenzimmer des Parkrestaurants. Neuanmeldungen werden dort entgegengenommen.



1931 bis 1941

Neben Curt Hillesheim spielte auch Heinz Ulrich eine glänzende Rolle in den ersten Jahren des Vereinsbestehens. Er kam 1931 durch beruflichte Veränderung aus Sachsen-Anhalt nach Bad Kreuznach. In seinem Heimatverein Stendal hatte er das Recht erworben, am Aufstiegsturnier zur Deutschen Meisterschaft 1932 teilzunehmen. Der ganz große Wurf blieb dem Neu-Kreuznacher und "Meister von Sachsen-Anhalt und des Saale-Schachbundes" versagt. Beim Turnier in Bad Ems siegle Georg Kieninger.
München, während Ulrich ein paar bemerkenswerte Partien spielen konnte. Selbstverständlich spielte Heinz Ulrich in Bad Kreuznach an Brett l bei Mannschaftskämpfen. die weiterhin gegen die bekannten Gegner ausgetragen wurden.

In der Zeit des Nationalsozialismus nahm das Schach einen starken Aufschwung. Die Mitgliederzahl wuchs auch im KSV, und es gab verstärkt Aktivitäten. So wurde im Jahre 1933 ein sog. Bäderturnier ausseiragen. In sieben Städten kam es zu Werbeveranstaltungen: 18. Juni in Wiesbaden, 2.Juli in Bad Münster, 9. Juli in Bad Soden, 30. Juli in Bad Kreuznach, 13.August in Bad Ems, 20. August in Königstein/Taunus und 10. September 1933 in Wiesbaden.

Die 2. Runde in Bad Münster wurde von Dr. Hugel geleitet. Über die 4.Runde in Bad Kreuznach berichtet der Öffentliche Anzeiger vom 3. August
1933:

"Im Kurhaus Bad Kreuznach wurde die 4. Runde des l. Nationalen Sommerturniers des Mittelrhein. Schachbundes ausgetragen. Überraschenderweise konnten in allen Partien die Führer der schwarzen Figuren erfolgreich abschneiden, wenn auch teilweise mit Glück ... Schurig/Wiesbaden ist der Pechvogel des Turniers. Infolge Zeitüberschreitung verlor er das Endspiel gegen Ulrich/Bad Kreuznach, nachdem er im Mittelspiel bereits die beste Fortsetzung auf eine sehr schwachen Zug seines Gegners ausgelassen hatte... Stand nach vier Runden: l. Benkner/Frankfurt 3 P.Rohs/Frankftin und Ulrich/Bad Kreuznach je 2.5 P. usw."

Die Blütezeit war nur von kurzer Dauer. Der Zweite Weltkrieg verschonte Bad Kreuznach nicht. Es waren viele Opfer zu beklagen, auch unter den Schachfreunden. Mögen sich die Spieler in den ersten Jahren noch regelmäßig getroffen haben, sofern sie nicht eingezogen waren, so kam das Schachleben im Verlauf des Krieges bald vollständig zum Erliegen. Die Bevölkerung hatte andere Soreen in dieser Zeit.



1941 bis 1951

Während des Zweiten Weltkrieges wurden wohl da und dort Freundschaftspartien abgewickelt. Das Schach zeigte bisweilen auch Völkerverständigende Wirkung, wie in diversen Schicksalen von Landsern und Kriegsgefangenen deutlich wurde. Manch einer hat das Schach erst in der Gefangenschaft kennen- und liebengelernt... Für viele bedeutete es Lebenshilfe in schwerer Zeit.

In Bad Kreuznach dauerte es bis 1946, ehe sich ein Vereinsleben neu gestaltete. Der französischen Besatzungsmacht waren nämlich alle Vereinigungen suspekt. Erst als "Arbeiterschachverein" konnten sich 1946 einige Schachfreunde zusammentun und die Erlaubnis von den Franzosen erhalten. Unter dem Vorsitz von Alois Schmidt spielten die Freunde des "Arbeiterschachs" regelmäßig im "Roten Löwen" am Holzmarkt. Curt Hillesheim und Hugo Klutz nahmen mit dem Arbeiterschachverein Kontakt auf und schafften die Wiedergründung des KSV, der, gemäß seiner Tradition, den Namen KSV 1921 fortführte.

In jener Zeit stieß auch Paul Brückner, ein Schachfreund aus Dresden, zum KSV. Er kam zu Fuß aus dem berüchtigten Bretzenheimer Lager angewandert und beeindruckte durch seine Spielstärke. Er gewann zahlreiche Turniere und blieb ein treues Mitglied bis zu seinem Tode. Auch Arnold Sbrisny aus Langenlonsheim schloß sich als Schüler dem Verein an und kann heute auf über 50jährige Mitgliedschaft zurückblicken. Emil Bauer kam in den ersten Nachkriegsjahren in den Schachverein, dem er in mehreren Vorstandsämtem diente, bis er 1981 als Ehrenmitglied im Alter von 92 Jahren verstarb. Im Vorstandsamt lösten sich die Schachfreunde Klutz und Hillesheim ab, später Direktor Corves. Die Mitgliederzahl wuchs, und man zog von der "Bauemschänke" in den größeren "Reichshof" um.
Im Jahr 1949 wurde im Kurhaus der Wettkampf Pfalz gegen den Verband Rhein-Nahe an 60 Brettern ausgetragen. Ebenfalls unter großer Beachtung der Öffentlichkeit fand der 1. Mannschaftskampf nach dem Kriege statt: Bad Kreuznach - Saarbrücken an 25 Brettern: Ergebnis 12,5 - 12,5 unentschieden (s. Deutsche Schachzeitung 1950, S.280).

Großmeister E. Bogoljubow beim Simultan am 2.September 1949 in Bad Kreuznach
Im Jahre 1949 gab Großmeister Ewfim Bogoljubow  in Bad Kreuznach eine weitere Simultanvorstellung. Der Großmeister war bereits am 19.Oktober 1932 zu Gast in Bad Kreuznach gewesen. Ebenfalls simultan an bis zu 40 Brettern spielten Großmeister Fritz Sämisch un der Deutsche Meister Walter Niephaus. Das waren stets Schachfeste allererster Ordnung, die ebenso wie Tanzabende, Fastnachtsfeiern und Gesellschaftabende die Mitglieder des Schachvereins zu einer großen Familie werden ließen.

Weihnachten 1951: Die Schachfreunde Franzmann, Paffrath, Hillesheim und Lang erhalten das Goldene Ehrenabzeichen



1951 bis 1961

Die fünfziger Jahre brachten dem KSV ein schöne Blütezeit. Bürger aus allen Schichten schlossen sich dem Verein an. Da waren Rechtsanwälte und Rentner, Ärzte und Arbeiter, die ihrem gemeinsamen Hobby frönten. Es konnten spielstarke Mannschaften gebildet werden, die seit 1949 im Hessischen Schachverband aktiv waren. Als l. Vorsitzende dienten Friedrich Corves dem Verein und ab 1952 Dr. Theodor Tillmann. Im Jahre 1954 wurde Curt Hillesheim zum l. Vorsitzenden gewählt, der den Verein acht Jahre lang, bis 1962. mustergültig leitete.

Am 17. November 1951 feierte der KSV sein 30. Stiftungsfest im Bootshaus auf der Nahebrücke. Großmeister Bogoljubow ließ es sich nicht nehmen, erneut als Simultanspieler nach Bad Kreuznach zu kommen. Fritz Sämisch spielte am 11. September 1953 im "Reichshof" blind gegen sechs Spieler gleichzeitig, was in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit erregte. In dieser Zeit konnte der KSV zunehmend Bedeutung gewinnen durch gute Erfolge, zu denen auch aktive Spieler der amerikanischen Stationierungstruppen nicht unwesentlich beitrugen: Hans Berliner wurde als US-Soldat 1952 Vereinsmeister und spielte während zweier Verbandsrunden an Brett l der l. Mannschaft, wo er sämtliche Spiele gewann. Berliner hatte später noch größeren Erfolg, als er 1967 Fernschach-Weltmeister wurde. Heute ist er ein bekannter Professor und Computer-Wissenschaftler in den USA. Sein Landsmann Ivar Dalberg spielte ebenfalls ausgezeichnet Schach und errang 1955 die Kreuznacher Vereinsmeisterschaft.

Neben den amerikanischen Meistern und Curt Hillesheim, der nicht nur als Funktionär, sondern auch als ehrgeiziger Spieler in Erscheinung trat, ging in diesen Jahren der Stern von Hans Karl Wegener auf. Der damals junge Landwirt aus Fürfeld entriß den Etablierten 1953 die Vereinsmeisterschaft, die er als Achtzehnjähriger errang. Er blieb bis zu seinem beruflich bedingten  Weggang im Jahre 1970 der stärkste Spieler des KSV und gewann sieben  Vereinsmeister- und zahlreiche Stadtmeistertitel in Bad Kreuznach. Sein größter Erfolg war jedoch der Gewinn der Hessischen Jugendmeisterschaft  1954 und der vierte Platz bei der Deutschen Jugendmeisterschaft in Hannover. Im Fernschach wurde er Deutscher Vizemeister der Jugend, als er punktgleich mit dem Turniersieger wertungsmäßig Zweiter werden konnte.

Der KSV führte in jenen Jahren neben internen gesellschaftlichen Veranstaltungen  auch mehrere Ausflüge durch. Partnerschaften mit Vereinen in Berlin und Hamburg wurden gepflegt, und größere Reisen wurden regelmäßig  unternommen. Der KSV wurde auch zum mitgliederstärksten Verein im Unterverband VIII des Hessischen Schachbundes. Mehrere Vorstandsmitglieder dienten auch dem Verband in verschiedenen Funktionen.

Unbestrittener Höhepunkt der Vereinsgeschichte ist die Organsation und Durchführung des 9. Hessischen Schachkongresses in Bad Kreuznach 1956. Vom 26. März bis 2. April 1956 trafen sich Hunderte von Schachfreunden in Bad Kreuznach zum Hessischen Kongreß und den Verbandsmeisterschaften. Vorsitzender Curt Hillesheim und sein treuer Tumierleiter Richard Röger machten sich dabei einen Namen, und sie erhielten viel Lob von allen Seiten. Eine stattliche Anzahl einheimischer Spieler beteiligte sich an diversen Turnieren. Spitzenspieler Hans Karl Wesener startete im Hessischen Meistertumier B und errang dort einen hervorragenden 4. Platz.

Eine gut aufgemachte Festschrift Bad Kreunacher Schachfestwoche vom 26. März bis 2. April 1956 - 35 Jahre KSV berichtete, daß Oberbürgermeister  Dr. L. Jungermann die Schirmherrschaft übernommen hatte und daß ein Ehrenausschuß gebildet worden war. Es finden sich geschichtliche Beiträge darin und der Hinweis auf ein umfangreiches Rahmenprogramm. Der KSV erntete viel Lob, wurde vom Verbandspräsidenten A. Seidel beglückwünscht  und erhielt eine Ehrenurkunde.

Schach-Echo, die damals weit verbreitete Zeitschrift, schrieb im Schlußbericht:  "(...) Der Kongreß wurde umrahmt durch Ausflüge in die herrliche Umgebung, eine Weinprobe (Graf Plettenberg) und durch einen Festabend, an dem u.a. das von Schachfreund Dr. Schweißguth (Alsfeld) verfaßte lebende  Schachspiel "Caissa" aufgeführt wurde, das sehr großen Anklang fand. Die Zahl der schönen Preise, von Kreuznacher Firmen gestiftet, erregte Aufsehen.

Zum Abschluß des Kongresses fand der Länderkampf Hessen-Pfalz statt.Bei den Senioren siegle Hessen 15,5:11,5. während sich bei der Jugend die Pfalz mit 11:10 überlegen zeigte. Den Schachfreunden in Bad Kreuznach gebührt für die unendliche Mühe, die sie sich mit der Ausrichtung des Kongresses machten, höchstes Lob!"

Ein Schlußbericht über diesen Kongreß findet sich im Öffentlichen Anzeiger vom Mittwoch, dem 4. April 1956.



1961 bis 1971

Der KSV wurde im Hessischen Schachverband bekannt und beliebt durch die Ausrichtung des Kongresses 1956, aber auch durch die Erfolge seiner Mitglieder. Man spielte zeitweilig mit drei und vier aktiven Mannschaften. Die erste Mannschaft konnte zweimal in die Landesklasse West, damals die zweithöchste deutsche Liga, aufsteigen. Aber sie mußte jeweils nach einjährigem  Gastspiel wieder absteigen. Zu Spitzenspieler Hans Karl Wegener gesellten sich die Vereinsmeisier Walter Wittig, Hans Schäfer, Gerd Schowalter, Karl Becker und Gustav Müller sowie die Stadtmeister Rolf Kohlei, Paul Brückner, Richard Röger, Willy Haas,  Hans Wilhelm Thielen, Herben Reichel und andere, die in Mannschaft und Einzelturnieren für die Ehre des KSV sorgten.

Sehr beliebt wurden die Blitzturniere in jener Zeit. Regelmäßig gab es nun die offene Stadtblitzmeisterschaft neben Vereins- und Stadtmeisterschaft. Festliche Veranstaltungen und Schachreisen gehörten zum Jahresprogramm der Schachfreunde.

In der Vereinsführung folgte Hans Wilhelm Thielen auf den hochverdienten Curt Hillesheim. der Ehrenvorsitzender wurde. Im Jahre 1965 wurde Walter Caelius zum l. Vorsitzenden gewählt. Er verstarb aber schon ein Jahr später,  1966. Ihm folgte erneut Hans Wilhelm Thielen als Vereinsvorsitzender bis 1969. Dann wurde Richard Röger gewählt, der nach verdienstvoller Vorstandsarbeit, vornehmlich in der Turnierleitung, Vereinsvorsitzender von 1969-1972 war. Alle diese Männer erwarben sich Verdienste um den KSV durch ihren Einsatz. Kamen sie auch nicht ganz heran an die hervorragenden Leistungen des unvergessenen Curt Hillesheim (1897-1967), so haben ihnen die Schachfreunde doch eine Menge zu verdanken.

Die Mitgliederzahlen bewegten sich in diesen Jahren zwischen 30 und 60. Das Vereinslokal mußte wiederholt gewechselt werden. So spielte man im "Hotel Feßner", dann in der Gaststätte der "Liedertafel", dann beim "Liederkranz", dann in der "Klause" und schließlich im "Volkschorheim". Leider wanderten zu dieserZeit zahlreiche gute Spieler ab, teils wegen beruflicher  Veränderung, teils wegen persönlicher Verärgerung: Hans Karl Wegener, Otto Napp, Rolf Kohlei, Manfred Wenghöfer, Ernst Albrecht...

Ein gewisser Tiefpunkt wurde im Jahre 1967 erreicht, als nach vielen Jahren erstmals nur eine Mannschaft des KSV für die Verbandsspiele gemeldet werden konnte. Auch die Vereinsmeisterschaft fand nach vielen Jahren nur in einer Gruppe statt, da nur 16 Spieler gemeldet hatten. Unter ihnen war auch Gerd Schowalter, der in Kaiserslautem den Akademischen Schachclub gegründet hatte. Er war Junglehrer im Landkreis, schloß sich dem Verein an und wurde bereits ein Jahr später, 1968, in den Vorstand gewählt. Zusammen  mit dem l. Vorsitzenden Richard Röger, der aus geschäftlichen und gesundheitlichen Gründen kollegiale Vorstandsarbeit schätzte, leitete er einen neuen Aufschwung im KSV ein. Die Mitgliederzahl wurde ständig gesteigen, und bald spielten wieder zwei, dann auch drei Mannschaften des KSV in der Verbandsrunde mit.



1971 bis 1981

Das fünfzigjährige Bestehen des KSV wurde im Frühjahr 1971 recht bescheiden  gefeiert. Man trug zwei freundschaftliche Vergleiche mit dem ebenfalls 50 Jahre alt gewordenen Verein der "Schachfreunde Frankfurt" aus. Im Hinspiel siegte der mit Spielern aus Bingen und Obersiein verstärkte KSV  mit 7,5:6,5 Punkten. Im Rückkampf unterlag man jedoch in Frankfurt hoch mit  2,5:17,5 Punkten. Am Spitzenbrett hatte der damalige Vereinsmeister Schowalter  gegen den Deutschen Meister Walter Jäger bzw. gegen IM Peter Staller keine Chance,  und auch alle anderen Spieler brachten in der Mainmetropole wenig zustande.  Als weitere Jubiläumsveranstaltung wurden zwei Reihenspiele von Sigmund Wolk organisiert.  Er spielte im "Hotel Klapdohr" blind an sechs Brettern und tags darauf an 21 Brettern gegen Spieler des KSV.

Im Jahre 1972 wurde Gerd Schowalter zum Vereinsvorsitzenden gewählt; Richard Röger wurde Ehrenvorsitzender. Während Röger zahlreiche Blitzturniere  mit Preisen bedachte und ein willkommenes Sponsoring betrieb, verwirklichte Schowalter neue Ideen. Er führte anläßlich des zehnjährigen Todestages von Curt Hillesheim das Hillesheim-Gedächtnis-Blitztumier ein, das Silvesterblitzturnier am letzten Spielabend des Jahres, belebte Freundschaftstreffen mit anderen Vereinen (BfA Berlin, Kiel, Dudelange/Luxemburg, Bad Bergzabem, Wittlich u.a.), gesellige Veranstaltungen, Ausflüge, aber auch wieder Thematumiere und vor allem die Jugendarbeit. Die Pressearbeit wurde verstärkt wie zu Zeiten Hillesheims, und die Mitgliederzahl  stieg stetig an, um etwa 1980 mit 112 zahlenden Schachfreunden eine Rekordzahl zu erreichen.

Als neuer Spitzenspieler kam Konrad Bold aus Pinnasens, der dreimal Vereinsmeister und siebenmal Stadtmeister werden konnte. Als Lehrer in Feilbingert baute er aus dem Nichts einen Schachverein auf, der sich praktisch nur aus seinen Schülern und ehemaligen Schülern zusammensetzte (SK Feilbingert!).

Leider spielte Bold auch bald die Mannschaftskämpfe für seinen Verein und führte ihn zusammen mit seinem gelehrigsten Schüler, Ottmar Noll, zu großen Erfolgen. Neben Bold und Noll, die noch in Bad Kreuznach erfolgreich waren, kamen Gerd Schowalter, der viermal Clubmeister wurde, Wilhem Czybulka, Matthias Seebauer und Wolfgang Jung (dreimal) zu Titelehren.

Ende 1977 verließ der KSV den Hessischen Sachbund und schloß sich dem Schachverband Rheinland-Pfalz an, der 1978 in Bad Kreuznach. im "Bootshaus", gegründet wurde. Die erste Mannschaft spielte zwei Jahre lang in der Landesklasse Ost der Pfalz mit, um schließlich 1979 mit drei weiteren aktiven Mannschaften in den Spielbetrieb des Unterverbandes Rheinland zu wechseln. Die Kreuznacher Schachfreunde, die schon früh, zusammen mit dem neuen Vorsitzenden des Landesverbandes, Rudolf Schwind (Rodalben), die Neuordnung des Schachbetriebs betrieben hatten, sahen sich als einer der größten Schachvereine im damaligen Schachbezirk Koblenz (heute: Schachbezirk Rhein-Nahe) verpflichtet, in überregionalen Gremien mitzuarbeiten. Wolfgang Jung und Matthias Seebauer zeigten einige Aktivitäten,  während Gerd Schowalter etwa zehn Jahre im Bezirksvorstand, davon über fünf  Jahre als Vorsitzender, arbeitete. In jener Zeit wurden zahlreiche neue  Schachvereine an der Nahe gegründet.

War der KSV noch im Jahre 1976 der einzige Schachverein im Landkreis Bad Kreuznach, so kamen danach hinzu: Vereine in Feilbingert, Hennweiler, Sobemheim, Burg-Layen, Laubenheim, Weinsheim, Stromberg und Waldalgesheim. Bei praktish allen Vereinsgründungen standen Kreuznacher Spieler Pate. Aber nicht wenige Schachfreunde wanderten auch ab, um sich den neuen Vereinen anzuschließen.

Einerseits erhielten die jungen Vereine im Landkreis zahlreiche neue Mitglieder  aus dem KSV, andererseits gab es auch Abwanderungen aus beruflichen Gründen,  von denen besonders die Großstadtvereine profitierten. Die recht erfolgreiche Jugendarbeit des Vereins, für die Hugo Klutz, Gerd Schowalter und Hans Jörg Schloer verantwortlich waren, später auch Ralf

Henning Jung und sein Bruder Wolfgang, brachte den Aufstieg einiger Jungtalente, die zumeist aus Studiengründen den Verein verließen: Heijo Höfer, Helmut Wild, Dieter Nees, Frank Lothar Diehl, Christoph Lex und Jens Dupont. Ihr Weggang bedeutete jeweils einen herben Verlust, zumal sie zu Spitzenspielern ihrer neuen Vereine heranreiften.

Nach langwierigen Verhandlungen wurde der KSV vom Finanzamt Bad Kreuznach im Jahre 1980 als gemeinnützig anerkannt. Die Bemühungen waren erst dann erfolgreich, als der KSV im Sportbund Rheinland integriert war. Er hatte in Rheinland-Pfalz eine Vorreiter-Rolle gespielt, die allen Schachclubs zugute kam. Der KSV wurde alsbald eine Art Sportverein mit mehreren Angeboten. Hatte man in früheren Jahren bereits Freizeitprogramme auf Kreuznacher Festen oder mehrere Werbetage im Rahmen der "Trimm-Spiele" organisiert, so bildelen sich jetzt Spongruppen mit Gymnastik  und Fußball, die wöchentlich ein Ausgleichsangebot unterbreiteten. In diesem Zusammenhang gab es auch mehrere Turnieneilnahmen der KSV-Fußballmannschaft und Freundschaftstreffen mit anderen Vereinen.

Von den schachlichen Höhepunkten sind die Simultangasispiele der Großmeister  Ludek Pachman 1977 und 1981 und Wolfgang Unzicker im Jahre1980 erwähnenswert.
Außerdem wurde in der letzten Woche des Jahres 1981 das 60jährige  Vereinsjubiläum bescheiden, aber würdig gefeiert.

Es gab ein Einladungsturnier mit acht Kreuznacher und auswärtigen Spielern und ein offenes Haupttumier. Das Meisterturnier (als Einladungsturnier)  wurde von Helmut Hürter (Mayen) gewonnen, das Hauptturnier von dem KSV-Spieler Manfred Grabowski. Die Festwoche wurde abgerundet mit einem Kommers-Abend im Spiellokal mit zahlreichen Ehrengästen.



Der absolute Spitzenkönner der siebziger Jahre war Konrad Bold



1981-1991

In den frühen achtziger Jahren wurde, wie gesagt, mit 112 Mitgliedern der absolute Höchststand erreicht. Es konnten zeitweilig fünf aktive Mannschaften  am Spielbeirieb im Rheinland und im Schachbezirk Rhein-Nahe teilnehmen. Dazu kamen eine Jugend- und eine Schülermannschaft. Das Spiellokal mußte vom "Volkschorheim" verlegt werden in den "Frankfurter Hof", dann aber wieder, ab 1987. ins "Volkschorheim".

Ab 1982 gab es regelmäßige Partnerschaftsbesuche mit den Schachfreunden in Bourg-en-Bresse. Die Freundschaftsspiele wurden jeweils vom KSV gewonnen,  aber die Begegnungen verliefen stets überaus freundschaftlich mit kulturellem Rahmenprogramm.

Dem KSV schlössen sich mit Rainer Hilpert (früher Geinhausen) und Helmut Hürter  (früher Mayen) zwei sehr gute Spitzenkräfte an. Zusammen mit den eigenen Nachwuchsleuien Christoph Lex, Jens Dupont, Wolfgang und Ralf Henning Jung, Hans Werner Ohl, Frank May, Kai Elison u.a. konnten starke Mannschaften gebildet werden. So schaffte es eine zweite Mannschaft. bis  in die II. Rheinlandliga zu klettern, während die l. Mannschaft ihre größten Erfolge feiern konnte. 1985 stieg Bad Kreuznach I in die Rheinland-Pfalz-Liga auf und spielte dort eine recht gute Rolle. Der allergrößte Erfolg war jedoch die Errinung der Pokalmannschaftsmeisterschaft von Rheinland-Pfalz im Jahre 1987. Nach mehrmaligem Vordringen bis ins Halbfinale oder Finale dieser Meisterschaft mit Vierermannschaften gelang der große Wurf mit einem Endspielsieg von 2.5:1,5 Punkten gegen den höherklassigen  SK Frankenthal. In der l. Runde auf DSB-Ebene schieden die Kreuznacher unglücklich gegen den mehrmaligen Deutschen Meister SG Porz aus. Die dramatische Begegnung endete im Eintracht-Clubheim mit 1.5:2.5 Punkten für die Gäste aus der Bundesliga.

Ebenfalls im Jahre 1987 organisierten die Kreuznacher Schachfreunde einen Wettkampf gegen den Schachbezirk Rhein-Nahe, dem sie angehörten. An 24 Brettern gelang der Mannschaft des KSV ein unerwarteter Sieg mit 12,5:11,5 Punkten. Bei diesem Freundschaftsspiel konnten die KSV-Spieler den Heimvorteil im "Volkschorheim" nutzen.



Ein großes Talent war auch Heijo Höfer. Er ist heute Verbandsbürgermeisier in Altenkirchen/Ww  (stand 1996).
An schachlichen Großveranstaltungen gibt es erneut Simultangastspiele von Großmeistern. IGM Vlastimil Hort kommt 1983 und 1988 zu denkwürdigen Anlässen. 1986 folgt IGM Ostojic, 1987 ist IGM Wolfgang Unzicker, der deutsche Altmeister, an der Reihe und 1989 schließlich IGM Lothar Schmid. Die Veranstaltungen erreichen jedoch nicht mehr den hohen Zuschauerbesuch  früherer Jahre, obgleich zahlreiche Mitglieder aus den Nachbarvereinen  mit von der Partie sind. Auch die sehr hohe Mitgliederzahl sinkt mehr und mehr und pendelt sich zwischen siebzig und achtzig zahlenden Schachfreunden ein. In den Vorstandsämtern gibt es mehrere Wechsel. von Jahr zu Jahr ändert der Vorstand seine Mitglieder: lediglich Vorsitzender Gerd Schowalter, der zeitweilig manch anderes Vorstandsamt mit betreute,  zeigt Beharrlichkeit. Diese wird aber nicht von allen Schachfreunden ästimiert. Es gibt Vereinswechsel zu den Nachbarvereinen, die sich mehr und mehr zu Konkurrenzvereinen entwickeln. Dies gilt besonders für den SC Feilbingert, der zwar im Unterverband Pfalz spielt, aber auch für die SG Pieroth Burs-Layen, die bald mit dem KSV in der Rheinlandliga anzutreffen ist.

In die Siegerlisien der Turniere werden neue Namen eingetragen: Jens Dupont und  Christoph Lex sowie Matthias Seebauer, die aber alle den Verein verlassen. Hans Werner Ohl, Kai Elison, Viktor Wiens und vor allem Frank May bleiben jedoch dem Verein treu. May konnte bereits drei Vereinsmeister- und  zwei Stadtmeistertitel erringen. Außerdem leistet er eine erfolgreiche Jugendarbeit.  Hier sieht er in guter Tradition zu den früher Verantwortlichen für die Jugendschulung  wie Hugo Klutz, Gerd Schowalter, Hans Jörg Schloer, Ralf Henning Jung und Wolfgang Jung.



Ein nimmermüder Schach-Enthusiast und Förderer war Gustav Müller (1917-1993).
Gezeichnet von Erwin Heeg



1991 bis 1996

Das letzte Jahrfünft (stand 1996) stand im Zeichen der Konsolidierung des KSV. Drei aktive Mannschaften kämpften in ihren Ligen mit unterschiedlichen Erfolgen. Die erste Mannschaft mußte aus der II. Rheinland-Pfalz-Liga absteigen und schaffte den angestrebten Wiederaufstieg nicht. So kam es, daß der SC Feilbingert über die Rheinhessenliga bis in die II. Rheinland-Pfalz-Liga Süd aufsteigen konnte und damit eine Klasse höher spielt als der ruhmreiche KSV. Einige weitere Abwanderungen waren die Folge.

Trotzdem stießen auch neue starke Spieler zum KSV, etwa Harry Strebel, Viktor Wiens und sein Sohn Hans Wiens. Temur Parulawa und Michael Dörfler. Sie alle sind Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion, von woher sie eine beachtliche Spielstärke mitbrachten. Strebel und Parulawa schlossen sich jedoch anderen Vereinen an. Dafür kamnen mit Dr. Rainer Goldt und Klaus Thönnessen ausgesprochene Spitzenkräfte, die den KSV nachhaltig verstärken konnten. In die Siegerlisten der Turniere konnten sich Viktor Wiens, Harry Strebel, Temur Parulawa, Gabriel Mischke und Andreas Orban  eintragen, aber auch Wolfeang Jung und Frank May konnten weitere Turniere  gewinnen (s. auch Übersicht).

In der Zeit des Umbruchs, der Wiedervereinigung Deutschlands, entstand eine kurzzeitige Partnerschaft mit Neuruppin/Brandenburg und der SG (Traktor) Lindow/Mark. Intensiver waren davor schon die Verbindungen über Fernschach gewesen. Vor dem Wettkampf mit der SG Lindow hatte es schon in den achtziger Jahren einen Vergleich mit Pößneck/Thüringen gegeben.  Aber die Versuche, mit dieser thüringischen Industriestadt eine Städtepartnerschaft einzuleiten, scheiterten am Ost-West-Konflikt. Immerhin  erkannte die Stadtverwaltung Bad Kreuznaeh an, daß die Schachspieler die ersten gewesen waren, die eine Partnerschaft zu einer ostdeutschen Stadt in der DDR angestrebt hatten.

Eine Fernschachmannschaft gewann nicht nur den Wettkampf mit Lindow, sondern auch gegen die Stadt Bad Kissingen. Im ersten Mannschaftspokal des BdF (= Deutscher Fernschachbund) scheiterte der KSV mit seiner Vierermannschaft in der Vorrunde. In den Wettkämpfen zu Fernschachligen spielte man dann jedoch erfolgreicher. Die KSV-Vertretung schaffte nach einer äußerst erfolgreichen Vorrunde und einer gelungenen Zwischenrunde die Qualifikation für die II. Femschach-Bundesliga 1995.

Erwähnenswert ist noch, daß im Jahre 1995 eine Jugendmannschaft des KSV Landesmeister von Rheinland-Pfalz werden konnte. Die Vierermannschaft  nutzte den Heimvorteil in der Kreuznacher Jugendherberge und geewann nach guten Leistungen.

Das 75jährige Vereinsjubiläum wurde zu Ende des Jahres 1996 gefeiert. Dabei wurden zwei Schachtumiere angeboten. Es gab ein Einladungstumier mit sechs Spielern und ein Haupttumier. an dem sich zehn Spieler beteiligten.  Es kam schon einer kleinen Sensation gleich, als im Einladungstumier ein leibhaftiger Großmeister mitspielte. IGM Viastimil Hort startete in einem  Rundenturnier mit Kreuznacher Spielern und gewann mit einem 100%-Ergebnis vor den einheimischen Spielern Wolfgang Jung und Dr. Rainer Goldt. Den Abschluß der Jubiläums-Schachwoche bildete ein Festabend mit Ehrengästen im Vereinslokal, bei dem Großmeister Hort auch die Festansprache hielt. Außerdem erwies sich der Meister als unterhaltsamer Plauderer, der sich bei seinem nunmehr dritten Besuch in Bad Kreuznach ausgesprochen wohlfühlte.


1997 bis 2004 folgt !!!
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